von Reinhold Schramm
Schlechte Arbeits- und Lebensbedingungen, - geringer Lohn, geringe Rente und Lebenserwartung (gesellschaftspolitisch stets geleugnet und unausgesprochen erwünscht)!
Wer eine körperlich anstrengende Arbeit hat, wird in der Folge häufiger arbeitslos, muss früher ausscheiden und hat in der Regel auch eine niedrigere Rente.
Die Wissenschaftler belegen in ihrer Studie: Wer sein Geld in einem physisch anstrengenden Beruf verdiente, musste sich häufig vorzeitig aus dem Arbeitsleben verabschieden. Unter den Schwerarbeitern der 1980er-Jahre, die 2001 zwischen 55 und 65 Jahre alt waren, lag der Frührentner-Anteil bei 58 Prozent.
Schwerarbeitende haben nur wenig Freiräume bei der Arbeit und bekommen vom Vorgesetzten und Unternehmer kaum Qualifizierungsangebote. Sie sind häufig als Zeitarbeiter, befristet oder in Teilzeit beschäftigt und beziehen oft nur einen Niedriglohn.
LohnarbeiterInnen mit körperlichen Arbeitsbelastungen wechseln häufiger die Stelle, berichten häufiger von Wechseln in Arbeitslosigkeit, Rente oder Nichterwerbstätigkeit.
Bei einem Berufswechsel von Schwerstarbeitern in den 1980er-Jahren hatte sich für fast zwei Drittel der Befragten der Verdienst verbessert. Heute verschlechtert sich oft ihre soziale Lage. Eine Verbesserung ihrer sozialen Lage nach einem Berufswechsel erklärten 2007 nur noch 42 Prozent der Befragten; 29 Prozent geben an, ihr Verdienst sei nun niedriger. Die Hälfte der Menschen im Niedriglohn des Jahres 1995 konnte ihren sozialen Status bis 2008 nicht verändern. Die Wissenschaftler fanden heraus, die physischen und psychischen Belastungen verschwinden in einer neuen Arbeit nicht. 2007 bleiben die Arbeitsbelastungen für die Hälfte der Befragten nach einem Arbeitswechsel ungefähr gleich, ein Viertel verschlechtert sich noch. Ältere Beschäftigte treffen am neuen Arbeitsplatz kaum noch bessere Arbeitsbedingungen an.
Forschungsergebnisse: Wer im Beruf körperlichen Belastungen ausgesetzt ist, sammelt weniger Rentenansprüche. Das so genannte "Normalarbeitsleben" werde für immer mehr Beschäftigte zur Illusion. Das Gros der körperlich hart Arbeitenden könne nicht bis 65 arbeiten - und erst recht nicht bis 67. [Häufig auch nicht bis "Rente mit 60", - entsprechend sind die Rentenkürzungen, - zum Dank und Wohle der Bourgeoisie und deren Administration; zusätzlich noch die reduzierte Lebenserwartung in Folge der Schwerstarbeit in Lohnarbeit. - Anm.]
Die späten Folgen der Arbeitsbelastung
Ein höheres Risiko, vorzeitig aus dem Arbeitsleben auszuscheiden:
Wer* 1985 unter Belastung arbeitete, war 2001 . . .
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* ... vorzeitig im Ruhestand
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... noch berufstätig
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Körperlich schwere Arbeit
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*58 %
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33 %
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Keine körperlich schwere Arbeit
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38 %
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51 %
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In Wechselschicht arbeitend
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*64 %
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39 %
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Nicht in Wechselschicht arbeitend
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27 %
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51 %
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Unter hoher nervlicher Anspannung arbeitend
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*47 %
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38 %
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Unter keiner hohen nervlichen Anspannung arbeitend
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40 %
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55 %
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*erfasst: Vollzeitbeschäftigte von 1985, die 2001 zwischen 55 und 65 Jahre alt waren.
Quelle: Inifes nach SOEP25 / Hans-Böckler-Stiftung 2010.
*Geringe Hoffnung auf ein langes Arbeitsleben:
Von allen Beschäftigten arbeiten mit . . .
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(von 100 %)
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* ... erwarten, nicht bis zur Rente durchhalten zu können.
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*... körperlichen Belastungen:
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33 %
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* 54 %
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*... psychischer Belastungen:
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40 %
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* 47 %
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*... ohne berufliche Entwicklungschancen:
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45 %
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* 40 %
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... ohne Belastungen:
[hohe Lebenserwartung und analoge Rente]
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31 %
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*13 %
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Vgl.: Inifes 2008/2010 / HBS // R.S. Quellen vgl.:
Böckler Impuls 12/2010. Schlechte Arbeitsbedingungen - Ballast fürs ganze Leben.
www.boeckler.de/32014_108688.html
Falko Trischler, Ernst Kistler: Arbeitsbedingungen und Erwerbsverlauf, Arbeitspapier 2 des Forschungsprojektes, Juli 2010.
Download und Quellendetails:
www.boecklerImpuls.de/pdf/impuls_2010_12_4-5.pdf
Veröffentlicht in Scharf-Links
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